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Elbrus: Eine Reise auf den höchsten Berg Europas.

von am 5. März 2017

Das mit der Liebe zu den Bergen ist nicht nur meine Idee. Der Ursprung dieser innigen Beziehung haben meine Eltern zu verantworten – und ich bin ihnen dafür täglich dankbar. Das heißt, die Berge liegen sozusagen in der Familie 😉 Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sich mein Dad zu seinem 50er eine Reise zum höchsten Gipfel Europas gewünscht hat: den Mt. Elbrus (5.642m).

Ende April 2013 starteten wir das Abenteuer: Sachen packen, ab in den Flieger nach Krasnodar und weiter zur letzten Übernachtung in der “Zivilisation” nach Kislovodsk (btw: tolle Thermenstadt!). Am nächsten Morgen ging’s dann mit Geländebussen 90 km über Stock und Stein zur Nordseite des Elbrus – denn die “touristische” Südseite mit ihren Aufstiegshilfen, Gondeln und Pistengeräten kam für uns nicht in Frage. Wir wollten uns den Berg verdienen. Und das auf ehrliche Art und Weise.

Mein Dad und Ich vorm Elbrus 

Weniger ist mehr.

Nach einer gewissen Zeit hatten die Geländebusse keinen Bock mehr. Vor allem weil der Boden ziemlich verschmust war – das Tauwetter hatte die Wege vermatscht und aufgeweicht. Für uns hieß das Endstation: Sachen packen und zu Fuß weiter. Und hier kommt auch schon mein erster Tipp für Dich: Weniger ist mehr! Das merkst du spätestens, wenn Du deine fucking Straßen-Sneakers auf den höchsten Berg Europas schleppen musst. #tourishit

Das Basislager auf 2.500m war unsere erste Station. Sozusagen ein Abenteuer-Hotel mit 4 Sternen😂 Und an dieser Stelle kommt auch gleich mein zweiter Tipp: Wenn Du mit 8 Bergsteigern in einer Blechdose übernachtest – die kaum größer ist als eine mitteleuropäische Besenkammer – und Du auch tatsächlich schlafen willst, dann solltest Du unbedingt Ohrstöpsel mitnehmen. Hab ich nicht getan, hab auch nicht geschlafen…

Die Philosophie des Berges.

Nach einem “ausgiebigen” Haferschleimfrühstück, wie es sich für ein 4-Sterne-Hotel gehört, ging’s für uns los mit der ersten Akklimatisationstour. Und spätestens da wusste ich wieder, warum ich mir das antue: Es ist einfach ein verdammt geiles Gefühl. Ein Wahnsinnsgefühl. Wenn du irgendwo im Kaukasus über den Schnee läufst, weit weg von den grauen Wolkenkratzern und der aufdringlichen Zivilisation. Weit und breit keine Menschenseele, nur du und der Berg. Und das im Einklang – ohne Maschinen oder Lifte oder irgendwelcher Blödsinn, der die Schönheit der Natur verschandelt. Und dann ist da auch noch dieses Ziel, der Gipfel. Du willst ihn unbedingt erreichen, aber mehr als versuchen kannst du es nicht. Die Brechstange hat hier keine Chance. Irgendwie philosophisch, oder?

Gipfelsturm am Elbrus.

Die Akklimatisierung war gut und so stiegen wir am nächsten Tag zum Hochlager auf 3.800m auf, obwohl das Wetter nicht übermäßig gut war. Doch in den darauffolgenden Tagen mussten wir feststellen, dass nicht nur die Menschen in Russland manchmal launisch sind, sondern auch die russischen Berge. Und so saßen wir in den nächsten beiden Tagen bei 100 km/h Wind und gefühlten -20 Grad in einer undichten Konservendose und hofften. Beteten. Träumten. Froren uns den Arsch ab. Und fingen dann wieder an zu hoffen.

Der Ausblick war trotzdem Atemberaubend 🙌🏻

Nach zwei Tagen endlosen Wartens mussten wir zum Basislager absteigen. Innerlich weinten wir dabei bei jedem Schritt. Im Lager warteten und hofften wir noch einen weiteren Tag auf eine Verbesserung des Wetters, aber es wollte einfach nicht sein. Der Aufstieg zum Gipfel war einfach nicht drin.

An unserem Abreisetag zeigte uns der Elbrus noch einmal seinen Charakter: als mürrischer Russe verwehrte er uns den Gipfel, doch als Goodbye lachte er uns nochmal in vollster Pracht zu – und das bei einem verdammten Kaiserwetter. Ich weiß bis heute nicht genau, ob uns der Berg zugelacht oder uns verhöhnend ausgelacht hat. Aber so sind die Russen eben. Manchmal extrem mürrisch und dann wieder die Freundlichkeit in Person.

Kaiserwetter beim Abmarsch 🔆

Mein Fazit

Gleich vorweg: Der Elbrus wird mich sicher noch einmal sehen. Es war eine super Erfahrung, wir haben tolle Leute kennengelernt und die unerschlossene Region am Elbrus bzw. im Kaukasus ist einfach außergewöhnlich. Und hier auch mein letzter Tipp: Wenn Du auch mal auf den Elbrus willst, nimm Dir ein paar Tage mehr Zeit und versuch es über die Nordseite. Die noch unberührte Natur, der Kampf um jeden Höhenmeter und dieser innere Frieden bereichert Dein Leben nicht nur sportlich – ganz egal ob du am Gipfel warst oder nicht. Du hast es wenigstens versucht. Und das auf ehrliche Art und Weise.

 

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1 Comment
  1. Antworten

    Don Pedro

    5. März 2017

    Servus Daniel,
    Dein Elbrus-Abenteuer mit Deinem Vater Manfred hast Du super toll beschrieben. Ich konnte mich richtig reinfühlen.
    Dein Blog gefällt mir auch ziemlich gut. Ich wünsche Dir ein erfolgreiche Saison und grüße mir Deine Eltern. 🙂
    Beste Grüße
    Don Pedro

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Daniel Weis
Schladming, AUT

Hallo, mein Name ist Daniel Weis und ich bin deutscher Profi-Snowboarder. Hier nehme ich dich mit auf eine Reise in die schönsten und spannendsten Alpin-Regionen – mit atemberaubenden Ausblicken, unvergesslichen Erfahrungen und meinen ganz persönlichen Highlights.

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